Vor einiger Zeit erzĂ€hlte mir eine Kundin: Ein Familienmitglied gab ihr den „super Tipp“: Nimm dir doch mal eine Woche Urlaub und rĂ€um doch deine Wohnung komplett auf!
Ich schmunzelte. Wenn es so einfach wĂ€re…toller Tipp! Manche Menschen können das: Innerhalb von wenigen Tagen die Wohnung entrĂŒmpeln und es einfach durchziehen. Dann sind sie halt fertig. Und befreit.
Viele können es aber nicht: in einem Rutsch und in kurzer Zeit alles entrĂŒmpeln, das Aussortierte wegbringen, verstanden haben, wie Ordnung funktioniert und diese dann bitteschön auch fĂŒr immer beibehalten.
In diesem Blogartikel sage ich dir, wie lange dein Ordnungsprojekt laufen sollte und wovon es abhÀngt, dass du lÀnger brauchst, als du wirklich willst.
Jetzt mach doch mal eben schnell! Eine Woche Urlaub und dann ist alles ordentlich? Warum diese Methode nicht funktioniert.
Wie gesagt: Bei manchen Menschen funktioniert es, dass sie sich auf einen Schlag Zeit im Kalender blocken und dann ziehen sie ihr AufrÀumprojekt von A bis Z durch. Bei den meisten Menschen klappt das aber nicht. Bei dir auch nicht? Warum eigentlich?
- Du hast keine konkrete Methode: Du weiĂt nicht, wie du anfangen sollst. Und du weiĂt nicht, auf welche Art und Weise du die einzelnen Schritte zu welchem Zeitpunkt erledigen willst.
- Du hast kein Warum: Der ĂŒbergeordnete Sinn, die intrinsische Motivation, fehlt dir. Frage dich daher: Was willst du erreichen? Wie willst du dich in deinen vier WĂ€nden in deinem Ideal fĂŒhlen?
- Du weiĂt nicht, wohin das Aussortierte kommen soll. Dann stapelt es sich im Flur, im Keller oder auf dem Dachboden und staubt schön vor sich hin. So stagniert der Prozess, weil es immer mehr GegenstĂ€nde werden. Du wirst nie das entlastende GefĂŒhl des Loslassens spĂŒren.
- Du weiĂt noch nicht, wie Ordnung funktioniert. Welche einfachen Prinzipien liegen deiner Ordnung zu Grunde? Welche Gewohnheiten sind sinnvoll, um die Ordnung fĂŒr immer zu halten? Das erfĂ€hrst du nur, wenn du dir etwas mehr Zeit (als die eine Woche) nimmst. Denn du brauchst Reflektion, um Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse zu haben.
Du darfst dir beim AufrĂ€umen in der Tiefe Zeit nehmen, solltest dennoch einen guten Plan und ein messbares Ziel haben, die du beide verfolgst. Ich rate dir, dir maximal sechs Monate fĂŒr dein AufrĂ€umprojekt zu nehmen.
Der Zeitraum des AufrÀumens hÀngt von diesen vier Faktoren ab
Wie lange du letztendlich fĂŒr dein AufrĂ€umprozess brauchst, ist abhĂ€ngig von mehreren Punkten.
Deswegen kann ich bei meinen Kundinnen ĂŒbrigens auch nicht sagen, was genau wir in einer AufrĂ€umsession schaffen oder ob wir in meinem 10-Wochen-Programm komplett fertig werden. Das wĂ€re nicht professionell. Davon hĂ€ngt die Dauer deines AufrĂ€umprojektes ab:
1. Anzahl der GegenstĂ€nde: NatĂŒrlich ist die GröĂe deiner vier WĂ€nde oder deines BĂŒros wichtig. Viel wichtiger ist aber, wieviele Dinge sich auf diesen Quadratmetern befinden. So kann auf einer WohnflĂ€che von 35 Quadratmetern alles bis oben vollgestellt sein.
2. Deine Planung und dein Mindset: Hast du ein Ziel, das du in kleine Mini-Etappen geteilt hast? Welche Gedanken hast du, wenn du loslegst? âOh Gott, ist das viel, schaff‘ ich eh nichtâ ist kein förderlicher Gedanke, um dein Ziel zu erreichen.
3. Wie schnell triffst du eine Entscheidung? Wenn du bei jedem einzelnen Gegenstand 18 Minuten ĂŒberlegst, ob er gut fĂŒr dich ist, dauert es eben lĂ€nger. Das heiĂt wiederum aber nicht, dass du schnell schnell machen musst. Darauf gehe ich weiter unten noch ein.
4. Wieviel Zeit nimmst du dir? âIch wĂŒrde so gerne, aber ich habe einfach keine Zeitâ. Wie oft hast du dir diesen Satz schon gesagt? Bei deiner SteuererklĂ€rung, wenn es um den Sportkurs geht, um Verabredungen mit Freund:innen. Fakt ist: Wir haben alle 24 Stunden und womit wir sie fĂŒllen, spiegelt unsere PrioritĂ€ten wider. Wenn du ein Ergebnis willst, musst du halt Zeit investieren. Punkt.
Du siehst also: Du hast es (etwas) in der Hand, wie lange dein AufrÀumprojekt dauert.
Der Effekt ist wichtiger als alles andere. Warum EffektivitÀt immer vor Effizienz kommt.
Wir sind ja sowas von in der Effizienz-Falle, wenn es um unser Leben und auch um das AufrÀumen geht. Alles muss effizient sein, zeitsparend.
Konzentriert und mit Fokus Dinge zu erledigen, ist super. Ich bin ein Fan davon. Nur manchmal versuchen wir, immer mehr in immer weniger Zeit zu quetschen. Und dann machen wir auch noch das Falsche.
Im Supermarkt werden Kassierer:innen angehalten, pro Minute so viele Artikel wie möglich ĂŒber’s Band zu ziehen. Das ist ja auch total gut fĂŒr den Kapitalismus, wa?
Manchmal wirkt es auf mich so, als ob wir beim AufrÀumen auch so viele GegenstÀnde wie möglich aussortieren/betrachten wollen. Dann geht ja alles schneller.
Wenn du so denkst („Das muss jetzt aber alles ganz fix gehen, bis die Bude perfekt ordentlich ist“), dann sage ich dir: Wir wollen, dass das AufrĂ€umen in der Tiefe EFFEKTIV ist.
Es soll einen Effekt haben, nĂ€mlich dass du u.a. erkennst, warum du so viel Geld fĂŒr Kram ausgibst, wie Ordnung funktioniert und wie du sie fĂŒr immer hĂ€ltst.
Und das erreichst du niemals, wenn du so durchrauschst. Du beraubst dich dabei wertvoller Erkenntnisse. Plane Zeit fĂŒr Reflektion ein. Der Aha-Moment ist wichtiger als schnell zu sein. Nur dann wirdâs nachhaltig.
- Mach dir unbedingt einen Plan, wie es mit deinen aussortierten StĂŒcken weitergeht. Du entscheidest natĂŒrlich immer, WAS du mit den aussortierten KleidungsstĂŒcken, BĂŒchern oder KĂŒchenutensilien tust. (Wegwerfen? Wenn ja, MĂŒlltonne oder Wertstoffhof? Spenden? Verkaufen?).
- Geh aber immer einen Schritt weiter: Setz dich mit deinem Kalender hin und mach dir Termine mit dir selbst. WELCHE StĂŒcke bringst du WOHIN genau und vor allem WANN?
- Block dir die Termine unbedingt in deinem Kalender und feiere dich dafĂŒr, wenn du sie erledigt hast. Auch das Wegbringen ausrangierter GegenstĂ€nde ist ein super wichtiger Teil des AufrĂ€umprozesses. Wenn du das nicht regelmĂ€Ăig erledigst, wird der Prozess stagnieren.
âOrdnung kostet mich so viel Zeit.â
Diesen Satz höre ich so hÀufig. Stimmt der denn??
Also, fassen wir zusammen: Wenn du das durchgehende Chaos besiegen und eine angenehme Grundordnung und -struktur erzielen willst, dann kommst du nicht daran vorbei, dir dafĂŒr Zeit zu nehmen.
Das kommt immer darauf an, wie groà dein Zuhause ist, wieviele GegenstÀnde sich auf den Quadratmetern befinden und wie schnell du bist (was nicht bedeutet, dass du immer schnell durchrasen musst!).
Und wenn du einmal in der Tiefe aufgerĂ€umt hast, dich von diversen Dingen getrennt und allem, was bleibt, einen festen Platz gegeben hast, dann – ja, was??? – brauchst du nur noch wenige Minuten tĂ€glich fĂŒr deine Ordnung.
Du stellst dir dann einfach den Timer und stellst konzentriert alles wieder an seinen Platz. Und das macht sogar SpaĂ. Wirklich! : )
Die Zeitinvestition, eine Grundordnung herzustellen, lohnt sich also allemal. Du musst halt nur loslegen.
Du investierst Zeit und hast danach viel mehr Zeit. Du suchst nichts mehr, du rennst nicht mehr spontan in die Shopping Mall, weil du deine Sachen einfach nicht mehr finden kannst. Du bist schneller mit deiner SteuererklÀrung, weil du auch im Papierkram eine super gute Struktur hast.
Du siehst also: Wie lange du benötigst, kann dir niemand sagen. Es liegt an bestimmten UmstĂ€nden â und vor allem an dir und deiner Haltung zu deinem Projekt.
Deine Hannah






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